Anne Lohmann Vortrag

Letztens hatte ich eine Interessentin für das ESS KULTUR PUR Seminar am Telefon, die mir die Frage stellte: „Was bedeutet überhaupt Lebensmittelharmonie? Was kann ich mir darunter vorstellen?“ Nun, ich habe schon hunderte Vorträge über dieses Thema in den letzten 20 Jahren gehalten und es gibt viele Seiten, von denen aus man diese Frage beleuchten kann. Aber diese Anruferin hat mich motiviert, die Frage nochmal so zu stellen, als hätte ich sie noch nie gehört.

Warum mache ich das eigentlich?

Was bedeutet für mich „Ordnung in der Nahrung“? Warum unterrichte ich Lebensmittelharmonie? Vielleicht hauptsächlich, weil ich über die Jahre der aktiven Ernährungsarbeit mit Patienten immer mehr gemerkt habe, dass ich einem Geheimnis auf der Spur bin! Als junge Heilpraktikerin von grade mal 27 Jahren dämmerte mir schon sehr bald, dass ich an der Ernährung nicht vorbei therapieren kann. Schnell wurde mir klar, dass jede Art von gelingender Regulationsmedizin wieder zunichte gemacht wird, wenn die Substanz für unseren täglichen Neu-Aufbau, unsere Nahrung, minderwertigen, einseitigen oder sogar destruktiven Charakter hat. All die Jahre habe ich deswegen daran gefeilt, herauszufinden, wie wir diese Quelle unserer Erneuerung wieder so sprudeln lassen können, dass unsere Nahrung uns grundumfänglich stärkt, ordnet und erneuert.

Nahrung ordnet?

Dass Nahrung ordnet, ist in unserer Kultur ein weitgehend unbekannter Gedanke. Speziell die Medienlandschaft und auch die offizielle Ernährungsmedizin stellen immer nur die quantitative Frage: „Wieviel ist in einem Lebensmittel DRIN?“ Wieviel Calcium, wieviel Magnesium, wieviel Eisen, wieviel Vitamin C? Wenn es VIEL ist, ist ein ein GUTES Lebensmittel und wir sollten VIEL davon essen.

Herrschaftszeiten, ist das banal! Um die Sache etwas plastischer zu machen, sage ich meinen Kursteilnehmern manchmal – wenn wir mal gestorben sind und uns veraschen lassen, wiegen wir dann nachher die Summe unserer Mineralien aus, um zu bestimmen, wer von uns ein „Guter“ war und wer nur Mittelmaß und wer unwichtig? Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass wir aufhören, Leben in Gewicht und Menge messen zu wollen. Den Begriff „Lebensmittel“ sind wir so gewöhnt, dass wir größtenteils überhören, dass darin tatsächlich und berechtigt das Wort LEBEN enthalten ist. Denn wenn wir nicht Lebensmittel bräuchten, um zu leben, dann könnten wir uns ja auch vom Apotheker unserer Wahl die optimale Mischung von Astronautenkost zusammenstellen lassen und täglich die entsprechende Menge in Wasser aufgelöst zuführen. Warum dann die ganze Lauferei nach einem frischen Salat, warum das endlose tägliche Zubereiten am heimischen Herd? Da könnten wir doch viel Zeit sparen …

Leben ist mehr.

Leben hat mit Sinn zu tun und mit Bedeutung. Auch Lebensmittel haben mit Sinn zu tun und mit Bedeutung. Und mit Wirkung. Was lebendig ist, übt eine Wirkung auf uns aus. Leben hat eine Ausstrahlung. Und wir haben für diese Ausstrahlung Antennen. Dort, wo es besonders lebendig ist, dort halten wir uns deshalb gerne auf. Gerne verbringen wir Zeit mit lebendigen, fröhlichen und sinnorientierten Menschen. Gerne sind wir in der Natur – an möglichst unberührten, lebendigen Orten: in den Bergen, am Strand, im Wald. Instinktiv wissen wir, dass Leben nur durch Leben erhalten werden kann und dass es zu unserem Erneuerungsprozess gehört, uns immer wieder mit dem Lebendigen zu verbinden.

Nur bei der Nahrung soll das anders sein?

Ist es nicht, natürlich nicht. Im Ess Kultur Pur Konzept lautet die erste Regel, dass wir echte Lebensmittel von nicht echten Lebensmitteln unterscheiden lernen. Die zweite Regel lautet, dass wir den Sinn und die WIrkung von Lebensmitteln auf uns wieder entdecken. Da gibt es die Lebensmittel, die uns Grundvitalität und Geschmeidigkeit ermöglichen, dann gibt es da die Baustoffgruppe und zum dritten die Brennstoffgruppe. Gut, wenn man weiß, was wohin gehört. Denn dann wissen wir beim Essen auch, welchen Impuls wir unserem Körper grade geben. 

Aber es geht noch viel weiter. Es gibt es Lebensmittel, die uns kühlen oder wärmen, beruhigen oder anregen, aufbauen oder abbauen, unruhig oder zufrieden machen. Ist doch cool, wenn wir uns damit auskennen. Und nicht einfach blindlings drauf los essen von dem, was uns im Supermarkt grade so vor die Flinte gekommen war. Wenn wir uns schon nur ein BISSCHEN besser auskennen, dann ist auch die Wirkung von Lebensmitteln auf uns kein Zufall mehr. Wir werden nicht mehr „überfallen“ von Heißhungeranfällen, die voraussehbar gewesen wären, wir kühlen uns nicht mehr mit Essen, wenn wir sowieso schon frieren und wir erwärmen uns nicht aus Versehen, wenn der Blutdruck eh’ schon zu hoch ist … .

Also, die erste Antwort auf die Frage nach dem Ordnen ist – Ordnen heißt zu nächst mal, Qualitäten zu durchschauen, um sie danach bewusst einsetzen zu können. Und das ist erst der Anfang …

Mit herzlichen Grüßen,

Anne Lohmann

P.S.: Dieses Grüne Licht Nr. 4 finden Sie hier zum Lesen, Ausdrucken, Sammeln oder Weitergeben auch noch als schön gestaltete einseitige PDF.