Glasflasche "What if you're right and they're wrong?

Den Auftakt zu den Gastvorträgen im ESS KULTUR PUR Seminar hat in diesem Jahr Heike Schröder gemacht. Baubiologin und Autorin des Buches „Plastik im Blut“. Das Thema gehört in den Halbjahreszyklus „Entgiftung“ und hilft uns zu verstehen, dass wir keine pflanzliche Entgiftung brauchen, wenn wir uns erst gar nicht vergiften!

Die gute Nachricht ist – nach drei Monate ohne Plastikkontakt sind alle Plastik-Weichmacher, die wir sonst in unserem Blut vorfinden – von alleine (!) wieder ausgeschwemmt. Wenn wir weiter kein Plastik verwenden, bleibt das auch so. Aber ich will nicht vorgreifen. Nochmal zurück zum Vortrag:

Für mich wirklich interessant war, dass ich mir noch nie wirklich klar gemacht hatte, dass einmal produziertes Plastik niemals mehr von diesem Planeten verschwindet. Ein viel kleinerer Teil als wir denken, wird recycelt oder wird verbrannt. Der ganze Rest wird nur von den Elementen – Wind, Sand, Meer – in immer kleinere Teile zerrieben. Im Spülsaum unserer Meere können wir deshalb inzwischen überall Mikroplastik finden – kleine bunte Teile in allen Farben.

Auch war mir nicht klar, dass die Kosmetikindustrie völlig selbstverständlich Mikroplastik einsetzt – kleine weiße Schmirgelpartikel, die in unseren Seifen, Peelings und Zahnpasten als zugelassene Zutat enthalten sind.
Und mir war nicht klar, dass andere Länder auf der Welt viel weiter sind als Deutschland, was das schlichte Verbieten von Plastik angeht – zum Beispiel von Plastiktüten.

Die gesundheitlichen Folgen von Plastik kann man zwar prinzipiell überall nachlesen – zum Beispiel im Buch von Heike Schröder – sie aber kompakt nochmal vor Augen geführt zu bekommen, erhöht ganz einfach die Motivation.

Der für mich entscheidendste Punkt an dem Abend war aber ein anderer. Bisher habe ich zu den Menschen gehört, die VERSUCHEN, Plastik zu minimieren. Letztlich aber GLAUBEN, dass es im Grunde nicht möglich ist. DIESE Vorstellung konnte ich an diesem Abend revidieren. Der für mich interessanteste Teil war der, wo wir uns mit den Alternativen zu Plastikeinkauf- und Verwendung beschäftigt haben. Und tatsächlich – ES GEHT! Es macht sogar Spaß! Und es ist heute viel leichter, als es das noch vor fünf oder zehn Jahren war.

Wir haben also an diesem Abend Vorratsdosen aus Edelstahl und Glas gedreht und gewendet. Wir haben erfahren, wie man mit einem Dampfbesen putzmittelfrei reinigen – und damit nicht nur Putzmittel, sondern vor allem auch Plastikbehälter für Putzmittel einsparen kann. Wir haben Seife kennengelernt, die man nicht nur für die Hände, sondern auch für die Haare benutzen kann. Zahnpaste aus dem Glasspender, einen Wasserkocher aus Edelstahl ohne das winzigste Plastikteil im Sieb- oder Ausgussbereich. Wir haben Bezugsquellen für Bio- Nudeln aus Papierpackungen entdeckt und Läden im Internet und regional, wo man verpackungsfrei Lebensmittel, Kosmetik und Haushaltsbedarf einkaufen kann. Wir haben Taktiken besprochen, wie man an der Käsetheke mit weniger Plastik nach Hause geht und wie man zuhause die Frischhaltefolie durch Wachspapier ersetzen kann.

Einkaufsbeutel aus Baumwollnetzen für die Gemüsetheke kannte ich schon und benutze ich bereits. Aber die Anzahl der „to-go-Becher“, die pro Stunde in Deutschland weggeworfen wird, ist schon beeindruckend. Die meisten von uns dachten, sie wären aus Pappe – mit Kunststoff beschichtet sind sie aber trotzdem. Deshalb ist ein to-go Becher aus Porzellan (mit Kautschuck-Ring) oder einer aus Edelstahl eine coole Alternative. Trinkflaschen aus Glas mit Keramik-Gummi-Deckel – zum Beispiel meine geliebte soul bottle habe ich eh schon benutzt. Aber auf die Idee, dass man auch in Glas einfrieren kann, war ich noch nicht gekommen. Einfach auf einen großen Einfüllrand achten, nur 2/3 befüllen und den Deckel erst später drauf machen. Schließlich haben wir noch beraten, wie man aus Yoghurt sehr einfach und preiswert selber Frischkäse machen kann und aus Kokosflocken Kokosmilch, aus Mandeln Mandelmilch und aus Haferflocken Hafermilch. Für alles gibt es eine Lösung.

Kurzum es war ein super gelungener und super interessanter Abend, der uns alle hochmotiviert zurückgelassen hat. Wer das Thema vertiefen will, kann das zum Beispiel mit Heike Schröder’s Buch tun. Oder – ein Tip von Evi Lüpschen vom Bioland-Betrieb Gut Onnau – mal einen Vortrag anhören vom www.zerowasteladen.de.  Oder ein bisschen auf der Internetseite eines zerowasteladens stöbern. Geht ja zum Glück heute dank Internet alles auch überregional.

Und hier noch die Übersicht der Termine für die nächsten offenen Abende:

10.04. – 17.30 Uhr Klären und Entgiften mit Heilpflanzen
08.05. – 17.30 Uhr Schonmal über Aluminium nachgedacht
05.06. – 17.30 Uhr Essbare Wildpflanzen im Park von Schloss Türnich

Anmeldung für die offenen Abende erfolgt über anmeldung@annelohmann.com.

Dieses Grüne Licht Nr. 1 findest Du hier zum Lesen, Ausdrucken und Weitergeben auch noch als schön gestaltete einseitige PDF.

Auf bald, liebe Grüße,

Anne

1 Kommentar

  1. Diesen Vortrag von Frau Schröder durfte ich live erleben.
    Er war für mich ausgesprochen interessant. Vieles habe ich gar nicht gewusst.
    Der Vortrag hat mir Möglichkeiten für den Einzelnen aufgezeigt, wie ein jeder schon mit kleinen Veränderungen im Alltag/ Haushalt/ Umfeld zu einem bewussteren Umgang mit Plastik beitragen kann.

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