Auf meinem Weg zur „Rohvolution“ Messe in Speyer habe ich letztens Zwischenstation gemacht beim Deutschen Aloe Vera Zentrum in Steinfeld an der südlichen Weinstraße. Mein Interesse an der Aloe-Pflanze hat mich dorthin gelockt und ich habe mich vor Ort mit der leitenden Biologin und Inhaberin, Dr. Kim Beisel, getroffen.

Aloe – unsere Wüstenfreundin

Lange Jahre stand „meine Aloe“, die mir einmal eine Freundin aus Spanien mitgebracht hatte, mehr oder weniger unbeachtet im Blumentopf herum. Meine Nase war immer eher in die heimischen Heilpflanzen gesteckt und ausgerechnet die Sonnenpflanze Aloe führte in meinen eigenen Anwendungen „ein Schattendasein“! Das hat sich grade total geändert! Doch zunächst ein wenig Fachwissen zur Aloe:

Aloe barbadensis oder Aloe arborescens?

Zwei Sorten der Gattung Aloe aus der großen Familie der Affodillgewächse werden bevorzugt von Menschen für ihre Beschwerden und Anliegen eingesetzt: zum einen die gemeinhin unter dem Namen Aloe vera bekannte Aloe barbadensis mit einem breiten und ganz grade gestreckten Blatt. Zum zweiten die unbekanntere, aber deutlich wirkstoffstärkere Aloe arborescens, zu deutsch auch „Tintenfischaloe“ genannt. Ihre Blätter sind schmaler, gewundener und stacheliger. Den Unterschied erkennt man auf den ersten Blick. Wer beide benutzt, nimmt oft die -vera für die äußerliche Anwendung, und die -arborescens für die innerliche Anwendung. Doch wer nur eine von beiden hat, kann alle Indikationen auch mit einer Pflanze abdecken.

Und nun zum Warum

Schon von den Essenern und von den Ägyptern wird berichtet, dass sie sich der Aloe als Therapeutikum bedienten und sie sogar in Plantagen anpflanzten. Alexander der Große soll sie auf seinen Feldzügen als Wundheilmittel für verletzte Soldaten mitgeführt haben. Und das US-amerikanische Militär hat sie grade in der Gegenwart für seine Soldaten wieder entdeckt. Ist das nicht krass? (Noch toller wäre, es gäbe keine Feldzüge mehr …) Warum aber wohl ausgerechnet Aloe? Nun ist aus rechtlichen Gründen ein Newsletter leider nicht der Ort, um Indikationen und Wirkungen aufzuzählen. Was ich Euch aber hier mitgeben kann, ist meine Begeisterung für ein Pflanzenwesen, das es schafft, der Sonnenhitze einer heißen Klimazone soviel Wasserbindungsfähigkeit und Geschmeidigkeit entgegenzusetzen, dass trotz der Hitze „draußen“ auf der Innenseite der Blätter ein außergewöhnliches, feuchtes, elastisches und  schleimhaltiges Gel gebildet und gespeichert werden kann. Wie alle Sukkulenten kann die Aloe – wenn es regnet – auf über 100 % ihrer Größe anschwellen und den Rest der Zeit schrumpft sie langsam auf ihre normale Größe zurück. Ihr Inneres ist dabei ein riesiger, gelartig organisierter Wasserspeicher. Wenn sie verletzt wird, kann ihr Gel jede Verletzung selbst heilen, jede Wunde zusammenschrumpfen lassen und jeden Schnitt oder Riss schließen. 

Richtet Euer Augenmerk auf diese außergewöhnliche Signatur, wenn Ihr beginnen wollt, mit der Pflanze zu arbeiten. Überall dort, wo Elastizität und Feuchtigkeit in Kombination mit heilungsförderndern,  kühlenden und Geschmeidigkeit (zurück-) gebenden Inhaltsstoffen gebraucht wird, da ist Aloe richtig. 

Ich denke, Ihr habt genug Phantasie, um dazu Ideen zu entwickeln, oder? Im Netz und vor allem in jeder guten Buchhandlung gibt es Fachbücher zu Aloe, die von Anwendungsmöglichkeiten und Wirkungen berichten.

Zubereitung

Für die Selbstanwendung ist eins allerdings GANZ wichtig – bitte immer nur das Innere der Pflanze verwenden, also das Gel. Ein Stück Aloe-Blatt wird also vor der Anwendung behutsam filetiert und die Schale wird verworfen. Wegen der u.a. stark abführenden und zusammenziehenden Wirkung von bestimmten Inhaltsstoffen aus der Schale, sind Säfte aus dem ganzen Blatt (oder Smoothies) nicht ratsam bzw. für Schwangere sogar kontraindiziert. Das Gel hingegen ist in einer Tagesdosis von drei bis maximal fünf Esslöffeln unbedenklich. 

Wie und wofür?

Das Gel der Aloe schmeckt leicht bitter, deshalb nimmt man es am liebsten in Kombinationen ein. Ganz ideal ist die Zubereitung in einem Hochleistungsmixer. Jedes gute Smoothie-Rezept profitiert davon. Einfach die gewünschte Menge Aloe Gel dazugeben. Aber auch in Salatsoßen kann es verquirlt werden, in Aufstrichen oder Dips. In kleine Würfel geschnitten kann man das Aloe Gel über Gemüsegerichte geben oder mit anderen hochwertigen Lebensmitteln wie Rohkakao oder Honig oder Bienenpollen mischen. Auch da gilt es, der Phantasie freien Lauf zu lassen.  

Abschließend noch ein Tip: nicht nur Geschmeidigkeit kann die Aloe mitbringen, sondern auch gutes „Genährt-Sein“, denn sie ist eine der inhaltsstoff-stärksten Pflanzen der Welt, noch dazu mit einem äußerst interessanten Wirkstoffprofil. So kenne ich Patienten, die am Abend vor der morgendlichen Haarwäsche Bahn um Bahn ihre Kopfhaut mit Aloe einreiben und das Gel über Nacht einwirken lassen. Auch die Gesichts- und Dekolleté-Haut sowie die Handrücken kann man über Nacht damit einreiben und morgens zur gewohnten Hautpflege zurückkehren. Nach ein paar Stunden Aloe-Einwirkungszeit ist ein gutes Nachfetten wichtig, denn sie zieht ganz ein und hinterlässt auf der Haut erstmal ein bisschen ein trockenes Gefühl. 

Wo ist die Quelle?

Foto: Nikolaj Schaposchnikow

Was ich bei all dem wirklich toll finde ist, mit frischen Pflanzen aus einer seriösen Quelle arbeiten zu können, statt auf Präparate zurückgreifen zu müssen, deren genaue Zusammensetzung, deren Herstellungsweg und deren Lagerzeit man selten wirklich nachvollziehen kann. In diesem Sinne bin ich ganz glücklich, das Deutsche Aloe vera Zentrum entdeckt zu haben, das – inclusive des Engagements und der Kompetenz seiner Inhaberin – einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen hat (nein, ich erhalte keine Provision 😉 )

Wenn Ihr Eure ersten Aloe-Erfahrungen gesammelt habt, schickt mir eine Mail. Ich freue mich auf Eure ganz persönlichen Erfahrungen. Beim nächsten Treffen erzähle ich Euch meine …

Mit herzlichen Grüßen,  Anne Lohmann

P.S.: Dieses Grüne Licht Nr. 6 findet Ihr hier zum Lesen, Ausdrucken, Sammeln oder Weitergeben auch noch wie immer als schön gestaltete einseitige PDF.